60er Rock - Kult in Wien

Karl Ratzer kam 1950 in Wien zur Welt. Eine Stadt, in welcher der überstandene Krieg noch sichtbar war. Seine Familie hatte unter der Nazi-Diktatur besonders zu leiden und der Start ins Leben schien schwierig. Doch Karl Ratzer war die Musik in die Wiege gelegt. Von einem Wunderkind kann man nur deswegen nicht sprechen, da die äußeren Umstände nicht geeignet waren, ein so begabtes Kind zu fördern. Er begann schon sehr früh sich selbst das Gitarre spielen beizubringen. Schon mit 15 Jahren hatte er als Gitarrist und Sänger der Band Slaves einen Tournee-Vertrag durch die Schweiz und Deutschland in der Tasche. Es folgten die Formationen Charles Ryders Corporation, C-Department und Gipsy Love. Als er Wien 1972 verließ, um in die USA zu gehen, war er ein Rockstar, der von seinen Fans kultartige Verehrung genoss.

 
 

Amerika -
Bluesy & Funky

In den Staaten konnte er sich sofort in der Szene etablieren. Er wirkte bei der Band High Voltage mit. Diese Formation wurde später unter Rufus & Chaka Khan berühmt. Aber auch viele andere bekannte Musiker luden ihn zur Zusammenarbeit ein. Karl Ratzer sog die amerikanische Musik auf wie ein Schwamm. Schnell war er in den verschiedensten Stilen beheimatet. Funk, Soul, Jazz und über all dem, der Blues, so wie er zwischen dem Süden und NYC gewachsen ist. Keine Schule, keine Universität sondern das Leben in den Clubs, erst in Atlanta dann in NY, ließen ihn zu einem der weltbesten Gitarristen reifen. 1977 erfolgte die erste Bandgründung mit Jeremy Steig, Dan Wall, Eddie Gomez, Joe Chambers und Ray Mantilla. Die erste LP mit dieser Band kam dann 1978 bei Vanguard heraus. Genre: Blues, Funk / Soul, Jazz. Neben seiner virtuosen Technik, war es vor allem die Stilsicherheit im Sound, die er sich in den Amerikajahren aneignete. Seine Gitarre klingt immer authentisch, egal ob er Rock, Blues oder Jazz spielt.

Jazz, Jazz, Jazz ....

1980 brachte ihn eine Tournee mit Chet Baker nach Europa. Er kehrte schließlich nach Auftritten in Italien, Frankreich und der Schweiz nach Wien zurück. Den Live Mitschnitt aus Paris im Gepäck konnte er gleich wieder in die Wiener Szene einsteigen. Er spielte mit allen Größen des heimischen Jazz und traf auf unzählige internationale Stars, die in Wien Station machten. Nun war er es, der die verschiedenen Projekte initiierte und leitete. Seine Kompromisslosigkeit in Sachen musikalische Qualität, machte es seinen Partnern nicht immer leicht. Für seine Musik aber wurde er von den Musikern verehrt und vom Publikum geliebt. In diesen Jahren begann auch seine Lehrtätigkeit an verschieden Schulen und Instituten. Er entwickelte eine eigene praxisbezogene Unterrichtsmethode für Gitarristen verschiedener Reifestufen. Von 1999 bis 2003 war er als Gastprofessor an der Kunstuni Graz. 2004 wechselte er an das Vienna Music Institute und das Vienna Konservatorium, wo er bis Dato als Dozent tätig ist. Dieser musikalische Lebensabschnitt spiegelt sich in einem Zitat von Karl Ratzer selbst wider: "Ich spiele nicht mehr Gitarre, sondern ich mache Musik."

 
 

Erntejahre

Die sprunghafte Zeit des Suchens und Experimentierens ist vorbei. Gegenwärtig arbeitet Karl Ratzer an einigen wenigen Projekten. Er möchte sein Wissen, sein Können und seine Erfahrung vor sich Ausbreiten und daraus die notwendigen Elemente nehmen um sie mit höchster Präzision in diesen Projekten zusammenzufügen. Seine Kompositionen erhalten Arrangements und seine Bands Bläsersätze. In diesem Rahmen lässt Karl Ratzer seine Gitarre klingen wie es nur wenige vermögen und sein Gesang berührt das Publikum. Ratzer kann auf viele Erfahrungen aufbauen und diese auch einsetzen. Sei es bei Live Auftritten, CD Produktionen, Workshops, Einzelunterricht u.ä.m. Darüber hinaus ist er bereit, neue Wege am Instrument zu beschreiten, wie es die jüngst erworbene Baritongitarre beweist.